Die neue Ausgabe unseres Magazins ist erschienen.

Liebe Leserinnen und Leser,

die große Koalition in Berlin ist Realität – die Mitglieder der SPD haben ihrer Parteiführung auf den letzten Metern doch keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wurde auch höchste Zeit. Seit Mitte 2017 ruhte weitgehend der parlamentarische Betrieb in Berlin. Fast ein Jahr, in dem sich die Welt schneller zu drehen scheint als je zuvor. Ein Jahr, in dem die USA eine schon fast revolutionär anmutende Steuerreform auf den Weg gebracht haben, die den internationalen Standortwettbewerb der Industriestaaten auf’s Neue beschleunigen wird. Ein Jahr, in dem Frankreich ein Initiativrecht zur Zukunft der Europäischen Union artikuliert, auf das Deutschland sich wegen der monatelangen stark eingeschränkten Handlungsfähigkeit der Bundesregierung schwertat, Antworten zu finden. Ein Jahr, in dem die digitale Revolution mit immer höherem Tempo große Teile der weltweiten Liefer- und Abnehmerketten durchdringt, etablierte Geschäftsmodelle starkem Veränderungsdruck aussetzt und die Fragen unserer Unternehmen nach der europäischen Antwort auf Sicherheit im Datennetz immer drängender werden. Ein Jahr schließlich, das für den 70 Jahre währenden weitgehend freien Welthandel durch die jüngsten Maßnahmen des US-Präsidenten, neue Handelsschranken aufzubauen, eine Zäsur bedeutet, an dessen Ende ein neuer weltweiter Protektionismus stehen kann.

Die Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft waren in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr so anspruchsvoll. Wir müssen sie mit Nachdruck angehen – und das heißt investieren, oder im besten Sinne des Wortes: Vorsorge treffen! Investieren in den Nachwuchs – in die Ausbildung, in Schule, Berufsschule und Hochschule. Investieren in Weiterbildung und Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter. Investieren in die öffentliche Infrastruktur, in Datenautobahnen und Verkehrswege, insbesondere im ländlichen Raum, damit dieser bei insgesamt rückläufiger Bevölkerungsentwicklung nicht zum „deutschen Mezzogiorno“ wird und wirtschaftlich abgekoppelt wird. Und unsere Unternehmen müssen investieren in neue Maschinen, neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle. Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Digitalisierung auch umsetzen zu können. Das setzt voraus, dass ihnen der hierfür notwendige finanzielle Spielraum auch durch die Tarifpolitik zugestanden und eröffnet wird. Denn die Grundrechenarten lassen sich nicht außer Kraft setzen, niemand wird den Kampf gegen Adam Riese gewinnen. Produktivitätsgewinne, so sie denn erwirtschaftet werden, können nur einmal verteilt werden. Und die Möglichkeit, Kostensteigerungen in den Preisen weiter zu geben, ist in Zeiten zunehmenden globalen Wettbewerbs für viele Betriebe allenfalls eine theoretische Option.

Kapital ist flexibel, moderne Fertigungstechnologien können mittlerweile fast überall in Europa gleichermaßen erfolgreich betrieben werden. Umso mehr steht die deutsche Tarifpolitik vor der Aufgabe, die Lohnpolitik auch außerhalb der Grenzen Deutschlands zu berücksichtigen. Wer ein einiges Europa im Sinne der Gründungsväter der Europäischen Union will und die einheitliche Währung befürwortet, der muss akzeptieren, dass bei weitgehend identischen Inflationsraten auch die Lohnabschlüsse in den Mitgliedsstaaten einander folgen. Und hier ist schon auffallend, dass seit Ende der Finanzkrise die Löhne in der deutschen Industrie von einem ohnehin schon sehr hohen Niveau aus doppelt und dreifach so stark steigen wie bei unseren unmittelbaren Konkurrenten in den Beneluxstaaten, in Frankreich, Österreich, Italien und Spanien.

Alle Erfahrungen belegen: Je stärker unsere Unternehmen bereits das Ausland als Produktionsstandort entdeckt haben und dort Erfahrungen sammeln, desto ausgeprägter ist die Bereitschaft, Kapazitätsaufstockungen im Ausland und nicht mehr in Deutschland vorzunehmen. Auch dies erklärt im Übrigen einen Teil der deutschen Investitionsschwäche, die wir seit mehr als einem Jahrzehnt beobachten. Diesen Abfluss an Investitionskapital zu stoppen und Standortpolitik für unsere heimischen Betriebsstätten zu betreiben, dies sollte in der vor uns liegenden Tarifrunde ein gemeinsames Anliegen von ADK und IG BCE sein.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre mit diesem ADK-Report.

Ihr
Dr. Volker Schmidt
Hauptgeschäftsführer ADK


Lesen Sie weiter in der unten stehend als PDF-Datei bereitgestellten Ausgabe des ADK Reports oder unter ADK REPORT 01/18 zum Durchblättern.

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