400 Gäste kamen zum IdeenExpo Talk mit Ranga Yogeshwar nach Hildesheim

„Kann ich ein Autogramm haben? Für meine Mutter, die findet Sie total toll.“

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist nach einem intensiven Arbeitstag – erst ein Powerplay auf der Ideen-Expo in Hannover, dann Moderator einer hochkarätigen Podiumsdiskussion im Roemer- und Pelizaeus-Museum – von zumeist jungen Fans umringt. Autogrammkarten besitzt er nicht. Also schreibt er ein paar freundliche Zeilen auf die Rückseite der Sitzplatzkarte und posiert bereitwillig für ein Selfie.

Sein Name ist ein Grund, weshalb weit mehr Zuhörer ins Museum strömen, als die Veranstalter NiedersachsenMetall, Unternehmer Hildesheim und Hi-Reg erwartet hatten. Doch auch der „Talk zur IdeenExpo“ – „Wie gestalten wir den digitalen Wandel?“ – erweist sich als zugkräftig. Skepsis gegen die Industrie 4.0 versucht das Podium unisono zu zerstreuen. „Yes we can!“, lautet das Credo. Alle Untergangsszenarien für technischen Wandel hätten sich nie bewahrheitet, so Volker Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Ideen-Expo und Hauptgeschäftsführer Niedersachsen Metall. Am Ende habe es stets nicht weniger Arbeitsplätze gegeben, eine massenhafte Verarmung sei ausgeblieben.

Gefeiert wie Popstars

Ohnehin scheinen Vorbehalte typisch deutsch zu sein. In China würden junge Ingenieure längst wie Popstars gefeiert, in den USA sei es keine Schande, Firmen drei Mal gegen die Wand zu fahren – um im nächsten Anlauf voll durchzustarten, so Rainer Bischoff, Forschungsleiter des Roboterherstellers Kuka.

Gesche Joost, Professorin für Designforschung in Berlin, vermutet einen Generationenkonflikt: Während junge Leute sich problemlos mit Programmieren befassen, täten sich Ältere schwer. „Die Generationen sind nicht mehr sprachfähig miteinander, es gibt eine Spaltung, eine Unvereinbarkeit.“ Privat, so Yogeshwar, wollten Menschen die neuste Technik, „Sobald wir in den den Job gehen, wollen wir das Vorvorjahresmodell. Das klappt nicht.“

„Veränderung ist gut“

Schmidt warnte aber davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen. „Ein Sicherheitsbedürfnis gibt es bei allen.“ Und auch Jens Redmer, Entwickler bei Google Europa, räumt ein, dass das geforderte lebenslange Lernen „wie Kitchen klingt“. „Wir müssen unsere Einstellung ändern. Veränderung ist gut“, wirbt Anja Feldmann, Informatik-Professorin aus Saarbrücken.

Gemeinsam formulierte das Podium ein „Hildesheimer Manifest“: Informatik frühzeitig im Bildungssystem verankern, Ideen aus der Schublade „mit breiter Brust“ nach außen tragen, politisch Prioritäten für eine bessere Ausstattung der Schulen setzen. Was gute Förderung bewirken kann, zeigen die Ehrengästen Constantin Tilmann Schott, Mohamad Al Farhan und Till Felix Weismann: Alle drei wurden Bundessieger bei „Jugend forscht“.

„Sie wollen selbst gestalten“

Weltweite „Fridays-for-Future“-Demos, ein Influencer-Video, das tagelang die politische Bühne in Berlin beschäftigt, Kinder, die vor der UN-Vollversammlung selbstbewusst Forderungen stellen. Ist die Jugend politischer geworden? -
Die Jugend war immer politisch, aber sie ist heute anders politisch als früher. Wir haben damals protestiert und sind in unserem VW anschließend wieder nach Hause gefahren. Die jungen Leute heute gehören einer Generation an, die mitgestalten will. Sie sind die Ersten, die sagen, wir wollen kein Auto mehr besitzen, wir stellen unsere Ernährung um und verzichten auf Fleisch. Sie wollen wirklich etwas verändern.

Die Jugend wollte es doch schon immer anders machen als ihre Eltern. Wie sollte die Gesellschaft mit diesem Aufbegehren umgehen? -
Wir sollten ihr die Optionen geben, selbst zu gestalten. Ich habe selbst vier erwachsene Kinder und habe die Entwicklung der letzten Jahre miterlebt. Ich bin total begeistert von der jungen Generation. Sie hat eine viel breitere Sicht auf die Dinge, ist weit weniger naiv als wir es damals waren.

Schicken wir die jungen Leute aber nicht eine Welt, die viel gefährlicher und unsicherer geworden ist? -
In unserer Jugend gab es eine absurde Hochrüstung, eine Mauer ging quer durch das Land... Uns ging es noch nie so gut wie heute: Das Lebensalter ist weltweit gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken, die Zahl der Demokratien gewachsen. Der technische Fortschritt hat unsere Welt besser gemacht. Ja, wir haben Populisten, und wir müssen aufpassen, dass das nicht aus dem Ruder läuft. Aber die Startvoraussetzungen sind besser denn je. Die neue Chance heißt KI, Künstliche Intelligenz.

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